20.04.2011 Karl-Preising-Schule eröffnet Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation

Schüler Tom spricht mithilfe seines Computers
BAD AROLSEN. Die Karl-Preising-Schule des Rehazentrums Bathildisheim hat eine Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation (UK) eröffnet. Zielgruppe sind Menschen, die aufgrund von Behinderungen, Unfällen oder fortschreitenden Erkrankungen nicht oder nicht mehr mit Hilfe der Lautsprache kommunizieren können. „Wer nicht sprechen kann, der ist häufig auch isoliert und ausgeschlossen“, erklärt Konrektorin Dr. Ursula Braun. Sie ist eine bundesweit anerkannte Expertin auf dem Gebiet der UK.
Für Menschen, die nicht oder nicht ausreichend mit Hilfe der Lautsprache kommunizieren können, stellt die UK Hilfsmittel zur Verfügung, die Verständigung dennoch möglich machen. Dabei werden körpereigene Möglichkeiten wie der Einsatz von Mimik, Gestik, Blickrichtung und Gebärden ebenso genutzt wie einfache Kommunikationshilfen mit Fotos beziehungsweise Pictogrammen oder komplexen Sprachcomputern, sogenannte Talker.
„Ziel der UK ist, individuelle Kommunikationssysteme zu schaffen, die einem Menschen ohne effektive Lautsprache möglichst vielfältige kommunikative Möglichkeiten eröffnen“, sagt Braun.
Tom ist einer von 70 Schülern der Karl-Preising-Schule, der unter anderem die moderne Technik als Kommunikationsmittel nutzt. Er kombiniert verschiedene Tasten auf seinem bebilderten Computer, um eine synthetische Stimme für sich reden zu lassen. So teilt er seine Gedanken, Gefühle und Wünsche verbal mit. Am Ende des Schulvormittags hallt es aus dem Talker des Achtjährigen: „Ich habe Hunger.“
Die Karl-Preising-Schule gehört seit 1990 zu den Förderschulen, in denen das damals noch junge Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation wegweisend umgesetzt wurde. Hier gehört es ebenso zum Alltag, dass in zahlreichen Lernkursen Schlüsselwörter lautsprachbegleitend gebärdet werden oder dass ein Schüler die Antwort auf eine Frage mit Hilfe der synthetischen Stimme seines Sprachcomputers gibt. Fortbildungen und Beratungen im Hinblick auf die Fragestellungen um die UK werden von geschulten Kollegen geleistet. Als Beratungs- und Förderzentrum steht das Team der Karl-Preising-Schule auch für externe Beratungen von Eltern, Schülern und Institutionen zur Verfügung.
Zur Person: Dr. Ursula Braun
Die Konrektorin der Karl-Preising-Schule, Dr. Ursula Braun, gilt bundesweit als ausgewiesene Fachfrau im Bereich der Unterstützten Kommunikation. Ende der 80er Jahre machte sie eine Forschungsreise durch die USA und veröffentlichte die Ergebnisse in ihrer 1992 erschienenen Dissertation mit dem Titel „Unterstützte Kommunikation für körperbehinderte Menschen mit einer schweren Dysarthrie“. In der Folge der USA-Reise gründete sie im Jahr 1990 mit Eltern, Betroffenen und Fachkollegen unter dem Namen „Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation“ die deutschsprachige Sektion der internationalen Organisation ISAAC. Sie war 7 Jahre lang die Vorsitzende dieser Gesellschaft und arbeitet seit 1990 ehrenamtlich in der Redaktion der ebenfalls von ihr mitbegründeten Fachzeitschrift „Unterstützte Kommunikation“.
Frau Dr. Braun wird bundesweit zu Fortbildungen und Vorträgen eingeladen und hat zahlreiche Fachveröffentlichungen verfasst. In der Karl-Preising-Schule wirkte sie maßgeblich am Aufbau des Fachbereiches „Unterstützte Kommunikation“ mit und wird die Beratungsstelle UK koordinieren.
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