16.01.2012: BBW-Know-How hilft jugendlichen Strafgefangener bei der Resozialisation

BAD AROLSEN. Seit Frühjahr 2010 setzen Mitarbeiter des Berufsbildungswerk Nordhessen in Bad Arolsen ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen aus der Qualifizierung und Förderung junger Menschen mit Lern- und psychischen Behinderungen auch in der Jugend-Justizvollzugsanstalt (JVA) Rockenberg bei Butzbach ein. Diagnosen, die das BBW Fachpersonal durchgeführt hat ergaben, dass mehr als zehn Prozent der Jugendlichen Strafgefangenen neben ihren sozialen Beeinträchtigungen eine Lern- und/oder eine psychische Behinderung haben.
Das mehrjährige Projekt „Übergangsmanagement für jugendliche Strafgefangene“ wird vom BBW im Auftrag des Hessischen Justizministeriums durchgeführt und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Es spielt eine deutschlandweite Vorreiterrolle im Bereich des Jugendstrafvollzugs. Jugendliche, die mit dem doppelten Handicap der Haftstrafe und einer Behinderung vermehrt auf Hilfe in Fragen der Berufsausbildung angewiesen sind, werden bereits in der Haft ihren Fähigkeiten angemessen beruflich qualifiziert und persönlich gefördert. Schon bei absehbarem Haftende wird der Weg in die Berufswelt auch mit Hilfe der zuständigen Arbeitsagenturen geebnet. Die Strafentlassenen sollen zukünftig nicht, wie jetzt noch weitgehend üblich, in ihr ehemaliges soziales Umfeld zurückkehren. Durch den möglichst bruchlosen Übergang in Berufsausbildung oder -tätigkeit wird das Rückfallrisiko in kriminelles Verhalten deutlich gemindert.
Bereits in den ersten Wochen nach der Aufnahme wird der spätere Übergang aus der JVA heraus geplant, da zwischen Entlassung und Ausbildungsfortsetzung bzw. Arbeitsbeginn so wenig Zeit wie möglich vergehen soll.
Die Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher war schon immer ein Anliegen der Justiz. Seit Inkrafttreten des neuen hessischen Jugendstrafvollzugsgesetz 2008 wurden Arbeit und Erziehung während der Haft stärker in den Mittelpunkt gerückt. Seit Anfang 2010 wurde das Übergangsmanagement auch auf Menschen mit Lernbehinderungen ausgeweitet. Neu in dem Projekt ist, dass der Fokus der Förderung in der Haft auf eine schnellstmögliche Vermittlung in ein Beschäftigungsverhältnis gelegt wird.
Gleich mit der Aufnahme in die Justizvollzugsanstalt Rockenberg durchlaufen die Jugendlichen in einer Zugangswerkstatt neben Schulleistungstests eine psychologische Basisdiagnostik. Ergänzend nehmen sie nun an vom BBW konzipierten beruflichen Fähigkeitstests und beruflichen Orientierungen teil. Die Jugendlichen können dann auch zwischen ihren Fähigkeiten entsprechenden Qualifizierungsbausteinen und Teilqualifizierungen wählen und sich für eine anschließende Berufsausbildung schon während der Haft entscheiden.
Durch das vom BBW Nordhessen geleitete Projekt soll neben die bisher schwerpunktmäßig sozialpädagogische Förderung in der Haft die berufliche gestellt werden. Alle bisherigen Erkenntnisse sagen, dass die Rückfallquote bei jugendlichen Strafentlassenen am niedrigsten ist, wenn sie direkt nach der Haft in Arbeit oder Ausbildung münden, das heißt in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen zu können.
Das Projekt ist bisher bis Mitte 2012 genehmigt. Aufgrund der bisherigen Arbeitserfolge soll es zeitlich verlängert und fachlich verbreitert werden.
Jutta Hoffmann (BBW) spricht davon, dass nicht wenige der jungen Strafgefangenen den klassischen BBW-Teilnehmern in Verhaltenseinschränkungen und Behinderungen sehr ähnlich sind ohne dass sie in der Vergangenheit hätten entsprechend gefördert werden können.“Und wir merken in der Praxis. Was für die jungen Leute mit Behinderungen gut ist, dass hilft auch den anderen auf dem Rückweg in die Gesellschaft.“
Die Projektleitung haben seitens des BBW dessen Vorstand Klaus Winger sowie seitens der JVA Rockenberg deren stellvertretender Anstaltsleiter Psychologiedirektor Klaus Ernst inne. Neben der Projektleitung arbeiten Jutta Hoffman (BBW) und Mario Watz (JVA) in der operativen Projektleitung sowie eine Lenkungsgruppe aus Vertretern von Justiz- und Sozialministerium, Arbeitsagentur und zwei BBWn an dem Projekt mit.
Ansprechpartner/in:
Jutta Hoffmann
Fon: 05691804 2204
E-Mail:j.hoffmann@bbw-nordhessen.de
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Heike Saure
Fon 05691 804-202
E-Mail: pr@bathildisheim.de