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'Integration in Korbach' - Brücken bauen für Menschen in der Stadt

von Theresa Demski – WLZ 22.08.2007 Korbach. Oft sind es ganz praktische Probleme, die Integration schwierig machen. Das muss nicht sein, sind sich die Vertreter von Stadt, Kreis, Land und dem Diakonischen Werk einig. Und so haben sie mit dem Projekt “Integration in Korbach” neue Möglichkeiten zur Annäherung beider Seiten geschaffen.

Natalja Schens kam vor zwölf Jahren nach Korbach. Sie hatte in Kasachstan Pädagogik studiert und als Grundschullehrerin gearbeitet. Anerkannt wurde in ihrer neuen Heimat keine ihrer wissenschaftlichen Leistungen. “Aber ich wollte auf jeden Fall weiter mit Kinder arbeiten”, sagt sie und so begann die zweifache Mutter mit ihrem ehrenamtlichen Engagement. Singen, tanzen, spielen – “ich habe alles gemacht, was möglich war”, erinnert sie sich. Schließlich gab sie Kindern von Migranten in den Korbacher Grundschulen Förderunterricht in der deutschen Sprache. “Ich habe Integration nie als Problem, sondern immer als Aufgabe verstanden”, sagt die 34-Jährige in ausgezeichnetem Deutsch. Natalja Schens will ihre Erfahrungen weitergeben, will Integration erlebbar machen. Dabei hat sie mit Lydia Oswald eine Kollegin gefunden, mit der sie kräftig an einem Strang zieht. Auch die 53-Jährige stammt aus Nordkasachstan, hat Physik studiert und bringt ihre eigenen Integrationserfahrungen mit. Die beiden motivierten Korbacherinnen betreuen das neue Projekt “Integration in Korbach”, das von Stadt, Kreis, Land und dem Diakonischen Werk getragen wird. Bereits am 1. August haben Natalja Schens und Lydia Oswald die Arbeit in ihrem neuen Büro in der Professor-Bier-Straße 2a aufgenommen.

“Dieses Projekt steht in einer Kontinuität und darf keine Eintagsfliege sein”, betont Bürgermeister Klaus Friedrich. Es schließt an die “Passport”-Initiative an, die sich bis ins vergangene Jahr gegen Suchtprobleme vor allem bei Migranten eingesetzt hatte. Projekte wie diese seien wesentliche Bausteine der Sicherheitsarchitektur der Stadt.60-000 Euro bezahlen das Land, das Diakonische Werk, Stadt und Kreis für das neue Projekt. Zwar ist eine Förderung vorerst bis Dezember vorgesehen, eine Verlängerung für zwei Jahre aber ist geplant. “Es ist wichtig, über den persönlichen Kontakt Brücken zwischen Einheimischen, Ausländern und Migranten zu bauen”, betont Dekan Bernd Böttner. Integration gehe von zwei Seiten aus. Und eben diese Brücken wollen Natalja Schens und Lydia Oswald bauen. Auf der einen Seite dienen sie Migranten und Ausländern als direkte Ansprechpartner. Große und kleine Probleme wollen sie in Zusammenarbeit mit Kirchen und Behörden lösen, direkte, praktische Hilfe vermitteln. Auf der anderen Seite führen sie Projekte wie die Sprachpaten für Kinder und das “Pro-Sprach-aktiv-Projekt\u201D für Erwachsene fort, gestalten das Integrationsnetzwerk in der Stadt mit. Auch neue Projekte haben die beiden engagierten Frauen schon in die Hand genommen.

Mit der Bildung einer Ortsgruppe soll ein Netzwerk ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Integrationsarbeit geschaffen werden. Mit Angeboten wie Stadtführungen für Migranten, Frühförderungen in Kindergärten und Kontakten zu Landsmannschaften sollen Hürden übersprungen werden. Auch Ausstellungsmöglichkeiten für ausländische Künstler sind angedacht. “Wir sprudeln über vor Ideen”, sagt Natalja Schens. Jetzt seien die Korbacher zum Mitmachen aufgerufen.

Das Büro ist montags und mittwochs von 9 bis 11 Uhr unter Telefon 91 36 77 besetzt. Am kommenden Montag, 19.30 Uhr, sind alle Interessierten zur Gründung der Ortsgruppe in das Büro, Prof.-Bier-Str.2a, eingeladen.