12.09.2008 Schrumpfungsprozess im Kreis
Demografischer Wandel erfordert neue Konzepte für die Diakonie
WLZ 09.09.2008, Bad Arolsen (sim). Laufen einzelne Kommunen im Landkreis Gefahr, sich zu einer Art „Sun City“ nach amerikanischem Vorbild zu entwickeln, wo Rentner das Straßenbild prägen? Wohl kaum, denn demografischer Wandel ist gestaltbar, wie Referentin Kerstin Schmidt bei einer Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Diakonischer Dienste (AGDD) Waldeck-Frankenberg aufzeigte.
Die zukünftigen Herausforderungen in den einzelnen Arbeitsfeldern der Diakonie im Landkreis standen im Mittelpunkt der Tagung mit rund 35 Teilnehmern im Berufsbildungswerk Nordhessen. Als „Denkanstöße“ hatte Dr. Eberhard Schwarz, Landespfarrer für Diakonie, seine einleitenden Thesen formuliert. Die Diakonie werde sich zukünftig noch stärker als die soziale Arbeit der evangelischen Kirche profilieren. „Wir brauche einen gemeinwesenorientierten Ansatz unserer Arbeit. Arbeit nicht nur für, sondern mit den Menschen vor Ort müsste unser Ziel sein“, betonte Schwarz. Der Landespfarrer prophezeite eine stärkere zukünftige Vernetzung der Diakonie mit dem sozialen Umfeld sowie Kooperationen mit anderen Anbietern. Unter geänderten sozial- und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen müsse die Diakonie ihren Ort finden.
Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung im Landkreis und entsprechende zukünftige Handlungsfelder der Diakonie stellte Kerstin Schmidt (Minden) vor. Schmidt berät Kommunen und Ministerien bei der Gestaltung des demografischen Wandels und hatte diverse Vorausberechnungen für den Landkreis Waldeck-Frankenberg bis zum Jahr 2020 mitgebracht. In einen „schrumpfenden Norden und wachsenden Süden“ sei Hessen unterteilt, erklärte die Referentin. Als Trend für den Landkreis Waldeck-Frankenberg sei von einer Bevölkerungsabnahme um zwei bis sieben Prozent auszugehen. Steigende Einwohnerzahlen wurden im Untersuchungszeitraum bis zum Jahr 2006 lediglich in Allendorf und Frankenberg bemerkt, während Diemelstadt und Waldeck die stärkste Bevölkerungsabnahme vorweisen.
Immer wieder wurde anhand der Zahlen deutlich, welche Bedeutung Arbeitsplatzangebot und Infrastruktur, gekoppelt mit Ab- und Alterswanderung, auf die demografische Entwicklung der Kommunen haben. Bedingt durch die steigende Lebenserwartung werde der Anteil der über 65-Jährigen im Landkreis von 25,4 Prozent (2006) auf geschätzte 32,8 Prozent im Jahr 2020 steigen. Dies sei auch mit neuen Herausforderungen auf die Diakonie verbunden, machte Schmidt deutlich. Eine „Vielfalt des Alters“ mit gestiegenen Ansprüchen, einem höherem Bildungsniveau und kulturellen Unterschieden gelte es in Zukunft zu berücksichtigen. „Hier ist ein Umdenken notwendig, Gerade im ländlichen Raum“, sagt Schmidt. Potenziale älterer Mitbürger sollten genutzt, innovative Wohnformen für Senioren realisiert, Gesundheitsförderung und -prävention im Alter betrieben und die Pflegeinfrastruktur ausgebaut werden, lauteten die Thesen der Referentin.
Näheres zum Thema unter www.demopraphie-konkret.de
sowie zu den Prognosen der Bertelsmann-Stiftung unter www.weg.weiser-kommunen.de
Schrumpfungsprozess im Kreis - 1 MB
Artikel der Waldeckschen Landeszeitung "Schrumpfungsprzess im Kreis" als PDF-Download