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11.12.2009 Heute feiere ich Geburtstag und Weihnachten an einem Tag

Bild/Grafik: Alexandros Sintichakis liftet sich an das obere Regalfach
Alexandros Sintichakis liftet sich an das obere Regalfach

Moderne Technik macht Alexandros Sintichakis selbständiger

BAD AROLSEN. „So ein tolles Teil – unfassbar“, schwärmt Alexandros Sintichakis und testet voller Begeisterung einige der vielzähligen Funktionen seines neuen elektrischen Rollstuhls.
Der 25-Jährige kann sich kaum bewegen, lediglich seine Unterarme setzt er eingeschränkt ein. Grund ist eine schwere Körperbehinderung – eine sogenannte „Tetraparese“, die alle vier Extremitäten lähmt. Von klein auf sitzt der junge Mann im Rollstuhl und bemüht sich um größtmögliche Selbständigkeit und Mobilität. Umso mehr freut er sich nun über die ausgefeilte Technik in seinem neuen Elektrorollstuhl. „Der hat sogar eine Liftfunktion. Damit kann ich mir jetzt die Aktenordner aus dem Büroregal einfach selbst herausholen und muss niemanden um Hilfe bitten“, schwärmt Sintichakis, der im Berufsbildungswerk (BBW) Nordhessen eine Ausbildung zur Bürokraft absolviert.

Der alte Rollstuhl erfüllte für ihn seinen Zweck, um von A nach B zu kommen. Weitere Funktionen wie beispielsweise eine elektrische Sitzneigung, Höhen- und Liegendeinstellung sowie verstellbare Rücken- und Armlehnen waren nicht vorhanden. Der neue Rollstuhl ist exakt dem Behinderungsgrad angepasst und bietet viele individuelle Einstellungsmöglichkeiten. Damit ist es auch möglich, eine Liegendposition zur Behandlung oder zur Ruhe einzunehmen. „So weiche Polster – ich sitze wie auf Wolken“, schmunzelt der stolze Besitzer.

Das mit modernster Technik ausgestattete Gefährt stammt von der Firma Paravan, einem Unternehmen für behindertengerechte Fahrzeugumbauten. Mitarbeiter und Fahrlehrer Carsten Seidler war von Heidelberg ins BBW Nordhessen gekommen, um das neue Fahrzeug zu überbringen. Vor der Probefahrt nahm er gemeinsam mit dem Auszubildenden die letzten technischen Einstellungen vor und erklärte die Bedienung. Ausgestattet mit crash getestetem Sitz und Fahrwerk sowie einem integrierten Vier-Punkt-Gurt ist der Rollstuhl tauglich für Pkw. Bemerkenswert ist, dass er gleichzeitig als Autositz dient. Ohne sich umsetzen zu müssen kann der Auszubildende künftig hinter das Lenkrad fahren. Das freut ihn besonders, denn er möchte gern den Führerschein machen.

„Durch die technische Unterstützung ist Herr Sintichakis wesentlich weniger auf fremde Hilfe angewiesen und kann seinen Alltag viel selbständiger bestreiten“, freut sich Dr. Ecke Tammen, Rehamediziner des BBW Nordhessen. „Was es heißt, von morgens bis abends im Rollstuhl zu sitzen und ständig auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, kann sich ein gesunder Mensch gar nicht vorstellen. Trotzdem bedurfte es einiger Bemühungen, bis die Kostenträger einer solchen adäquaten Versorgung zugestimmt haben“, erläutert Tammen.

Mit einer kurzen, selbst verfassten Rede bedankte sich der 25-Jährige bei den Menschen, die sich dafür eingesetzt haben, dass er ab jetzt ein erhebliches Stück unabhängiger sein kann. „Das großartige Gefühl kann ich gar nicht in Worte fassen. Es ist für mich ein ganz besonderer Tag“, schildert der junge Mann und ist gespannt auf die kommende Zeit, in der er den Rollstuhl „auf Herz und Niere“ testen kann.